Awareness
Awareness in der Brunnenpassage
Die Brunnenpassage ist ein Ort für künstlerisches und soziales Engagement, der sich bewusst mit den Realitäten struktureller Ungleichheiten wie Diskriminierung, Rassismus, Sexismus, Klassismus und Ableismus auseinandersetzt. In einer Gesellschaft, die von solchen Ungerechtigkeiten geprägt ist, streben wir danach, Räume zu schaffen, die diese Missstände aufzeigen und gleichzeitig auf eine gerechtere Zukunft hinarbeiten. Unser Ziel ist eine Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Diversität gefördert und gelebt werden.
Im Zentrum unserer Arbeit steht das Prinzip, marginalisierte Stimmen und Perspektiven zu stärken. Hier geht es nicht nur um den Zugang zu Kunst und kultureller Teilhabe, sondern darum, Kunst zu produzieren und künstlerische Prozesse aktiv mitzugestalten. Menschen, die oft von solchen Prozessen ausgeschlossen sind, sollen die Möglichkeit und Ressourcen haben, selbst zu entscheiden, wie und welche Kunst entsteht und unter welchen Bedingungen sie gezeigt wird. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass diese Personen auch an Entscheidungsprozessen innerhalb von Kunstinstitutionen beteiligt werden, um die Strukturen dieser Institutionen nachhaltig zu verändern. Durch diese Mitbestimmung stärken wir eine diskriminierungskritische, solidarische Praxis, die Raum für Diversität und Chancengleichheit in der Kunst schafft. Das Zentrieren marginalisierter Positionen bedeutet auch, ihnen Vorrang vor privilegierteren Perspektiven zu geben. Die Brunnenpassage lädt alle Beteiligten – sei es hinter, auf oder vor der Bühne – ein, ihre eigenen Privilegien zu reflektieren und gegebenenfalls einen Schritt zurückzutreten, um Platz für diejenigen mit weniger Chancen und Ressourcen zu schaffen.
Brave Spaces
Ein wesentlicher Bestandteil unseres Konzepts ist die Schaffung von Brave Spaces. Diese Räume bieten nicht nur Schutz, sondern bestärken auch darin, mutig zu sein und sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Sie basieren auf dem Konzept von Mickey ScottBey Jones, inspiriert und adaptiert von Beth Strano, das darauf abzielt, in einem respektvollen und unterstützenden Umfeld die eigene Verantwortung wahrzunehmen und sich bewusst mit Herausforderungen auseinanderzusetzen. Wir verstehen Brave Spaces als Orte, in denen Fehler passieren dürfen und Ver/lernprozesse angeregt werden. Dies erfordert sowohl Sicherheit als auch Mut – ein Gleichgewicht, das Wachstum und Transformation ermöglicht. Brave Spaces sind für uns Orte des Austauschs und der Ermächtigung – nicht nur innerhalb der Brunnenpassage, sondern auch darüber hinaus.
Awarenesskonzept
Unser Awarenesskonzept ist ein lebendiges Werkzeug, das sowohl interne als auch externe Prozesse unterstützt. Innerhalb des Teams dient es als Grundlage für eine offene Konflikt- und Kritikkultur, die Raum für Austausch und Reflexion bietet. Es unterstützt unsere Mitarbeiterinnen in schwierigen Situationen und hilft, gemeinsam Lösungen zu finden. Nach außen hin prägt es unsere Kommunikation mit Teilnehmenden, Kooperationspartnerinnen und anderen Institutionen und stärkt unser klares Engagement für soziale Gerechtigkeit und Antidiskriminierung.
In herausfordernden Situationen, in denen positive Diskriminierung als Werkzeug in unserer Arbeit eingesetzt wird, gibt uns das Awarenesskonzept eine klare Argumentationsgrundlage, um unsere Entscheidungen nachvollziehbar zu machen.
Zugänglichkeit ist ein zentraler Bestandteil unseres Konzepts. Wir bemühen uns, in einer möglichst einfachen Sprache zu kommunizieren und bieten Übersetzungen an, um sicherzustellen, dass unsere Inhalte für möglichst viele Menschen zugänglich sind. Dies ist Teil unseres Engagements für eine diskriminierungskritische Haltung, die niemanden ausschließt.
Letztlich spiegelt dieses Konzept unsere gesellschaftliche Position wider und unsere ständige Bemühung, bestehende Machtstrukturen zu hinterfragen und eine Kultur des Ver/lernens und der Selbstkritik zu fördern.
Zielsetzung:
- Stärkung marginalisierter Positionen
- Diskriminierungskritische Sensibilisierung für gesellschaftliche Ausschlüsse und ungerechte Machtverhältnisse im Kunstsektor.
- Förderung von Diversität und Chancengleichheit
- Förderung des sozialen Zusammenhalts
Maßnahmen:
- Regelmäßige Fortbildungen für Mitarbeiter*innen und Ehrenamtliche zu Themen wie Diversität, Sensibilität und Kommunikation.
- Diskriminierungskritische kuratorische Praxis, durch Zentrierung marginalisierter Positionen
- Bereitstellung von Informationen und Unterstützung für Personen, die von Diskriminierung betroffen sind.
- Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, die sich für soziale Gerechtigkeit und Diskriminierungskritik einsetzen.
Evaluation:
- Regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen und Anpassung des Konzepts basierend auf Feedback und aktuellen Entwicklungen
- Einholen von Feedback zur kontinuierlichen Verbesserung des Konzepts
- Zusammenarbeit mit Artists of Change als “Outside-Eye” bzw. ”Critical Friend”
Das vorliegende Awareness-Konzept entstand ab 2024 im Rahmen einer Awareness Arbeitsgruppe in der Brunnenpassage.
Code of Conduct
Die Brunnenpassage ist Teil von D—Arts Projektbüro für Diversität und lebt den Code of Conduct von D—Arts als gemeinsamen Anspruch und verbindlichen Orientierungsrahmen für ein diskriminierungskritisches, respektvolles und solidarisches Arbeiten und Miteinander.
Auszug aus dem Code of Conduct:
- Grundsatz 1: Zentrierung marginalisierten Wissens von Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen mit Diskriminierungserfahrungen
- Grundsatz 2: Institutionelle Ungleichheiten abbauenWissen zu Diskriminierung und Diversität zugänglich machen
- Grundsatz 3: Wissen zu Diskriminierung und Diversität zugänglich machen
- Grundsatz 4: Gerechte und solidarische Ressourcenpolitik
Pilić, Ivana; Şengül, Dilan (2026): D—Arts Code of Conduct.
https://www.d-arts.at/das-buero#coc
Safe(r) Space Guidelines
- Lasst uns nicht Zustimmung voraussetzen, sondern sie erfragen.
- Lasst uns die körperlichen, mentalen und emotionalen Grenzen anderer sowie unsere eigenen
respektieren. - Lasst uns nicht die Identität, Sexualität, Geschlechtszugehörigkeit, Gesundheit oder Herkunft anderer annehmen, sondern offen dafür sein.
- Lasst uns die Meinungen, Überzeugungen und Erfahrungen anderer respektieren, auch wenn sie sich von unseren unterscheiden.
- Lasst uns uns unserer Privilegien, unseres Verhaltens und des Raums, den wir einnehmen, bewusst sein.
- Lasst uns mit Achtsamkeit und Neugierde handeln, einander helfen und füreinander sorgen. Lasst uns davon ausgehen, dass Menschen Gutes wollen.
- Lasst uns anerkennen, dass Sicherheit nicht die Abwesenheit von Unbehagen bedeutet. Es wird Reibung geben, und wir werden Fehler machen. Mit den Fragen, Spannungen und Unbequemlichkeiten zu bleiben, ist ein wesentlicher Teil der Praxis.
- Lasst uns anerkennen, dass Deutsch für die meisten von uns nicht die Erstsprache ist. Bedeutungen können in der Übersetzung verloren gehen.
- Lasst uns Raum für Vielfalt, Komplexität und Vielstimmigkeit halten.
- Keine Belästigung oder Diskriminierung jeglicher Art – kein Platz für Rassismus, Klassismus, Homophobie, Transphobie, Sexismus, Ableismus, Fettfeindlichkeit oder Altersdiskriminierung. Keine Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Religion, Hautfarbe Sprache oder Staatsbürger*innenschaft.
Diese Safe(r) Space Guidelines wurden 2025 vom Team der Brunnenpassage zusammen mit Sonya Lindfors im Rahmen des CTM Workshops “Working with F(r)iction” 2025 erarbeitet.
Manifest des Wandels
ein kollektiver Aufruf zum Handeln
Dies ist eine Konstellation aus Träumen, Wünschen, Bedürfnissen und Forderungen
Prolog
Dies ist ein Manifest für diejenigen, die von einer besseren Welt träumen.
Für die, die danach streben, Ungerechtigkeit im Kultursektor in Fürsorge umzuwandeln, Spaltung in Solidarität und Stagnation in Kreativität.
Wenn du den Drang verspürst hast, etwas zu tun, aber nicht gewusst hast, wo du anfangen sollst, lass dies deine Einladung sein.
Wir träumen von einer Welt, in der zum Schweigen gebrachte Geschichten gehört und geschätzt werden,
Schwächen zu Stärken werden,
und Liebe, nicht Erfolg, unser Leben bestimmt.
Wir weigern uns, uns der Ungerechtigkeit anzupassen.
Wir weigern uns, Lügen zu akzeptieren.
Wir werden reparieren, wiederherstellen und neu aufbauen.
Wir fordern
stoppt die Gewalt, beginnt mit der Verwurzelung,
Auflösung repressiver Systeme,
einen Planet-zuerst Ansatz: sich um alle Lebewesen kümmern; verlangsamen, um zu schützen.
Manifest des Wandels
Das Manifest wurde von 6 Agents-of-Change (#AoCs) verfasst, die in 4 Centres-of-Change (#CoCs), Mitgliedsorganisationen von Trans Europe Halles, im Rahmen des Projekts Cultural Transformation Movement (#CTMP) arbeiten:
- in VIERNULVIER (Belgien): Dounia Mahammed und Mira Bryssinck
- in Zo - Centro Culture Contemporanee (Italien): Elie Laucher und Emanuele Arturo Miceli
- in IZOLYATSIA (Ukraine): Ksenia Ulianova
- in der Brunnenpassage (Österreich): Farila Neshat
unter der Leitung von Laura Camacho Salgado.
Das Manifest 2025 ist eine Fortsetzung der künstlerischen Erklärung des CTMP aus dem Jahr 2024.