Comparsita

Farrokh Fattahi

Bei diesem Gegenstand handelt es sich um die Figur einer Comparsita. Comparsitas sind südamerikanische Straßenmusikerinnen, die ihr Hab und Gut immer bei sich tragen. Farrokhs Comparsita im Miniaturformat hat eine Gitarre und ein Akkordeon bei sich, ein Haus, einen Eimer und einen Schirm. Sie steht auf einer Münze, was für Farrokh bedeutet, dass es sich hier um eine glückliche Person handelt – eine Person, die zwar nicht viel besitzt, aber dennoch alles hat, was sie braucht, und deren Bedürfnisse erfüllt werden.

Farrokh hat diesen Gegenstand bei einer Mineralogie-Ausstellung in Wien von einem Mann gekauft, dessen Frau aus Südamerika, vermutlich Kolumbien, ist. Sie hat von einer ihrer Heimatreisen mehrere Comparsita-Figuren mitgebracht. Diese sollen immer Glück bedeutet haben. Comparsita-Figuren sind laut Farrokh in ganz Südamerika bekannt.

Farrokh selbst ist aus Teheran, spricht aber ein bisschen Spanisch. Da er als „Ausländer“ in Wien zu dieser Zeit viele Probleme und wenig Unterstützung hatte, hat er die Comparsita gekauft, damit sie ihm Glück bringt. Damals fand im Iran die Revolution statt und auch in Wien gab es politische Demonstrationen von IranerInnen. Seine Eltern sind gestorben und sein Bruder war nach Deutschland ausgewandert. Farrokh findet, dass es zu dieser Zeit für „Ausländer“ wenig Freizeit- und Kulturangebot in Wien gab. Er hat sich zu dieser Zeit sehr alleine gefühlt, war durcheinander, unglücklich und traurig, hat auf ein neues Leben und auf ein Wunder gehofft. Es ist zwar kein Wunder passiert, doch sind Farrokhs Lebensumstände langsam besser und besser geworden. Er ist nun in Pension und „hat seine Ruhe“. Österreich ist seine zweite Heimat geworden. Die Comparsita „wohnt“ in einer Vitrine in Farrokhs Wohnung.

Sie symbolisiert für ihn Unabhängigkeit.

Caritas Erzdi�zese Wien